Wartezeit

Nachdem ich nun mein Video fertig gestellt und hochgeladen habe, bleibt mir nichts anderes übrig, als das zu tun, was ich zweifellos am schlechtesten kann. Ok, ich kann sehr viele Sachen nicht wirklich gut, aber eines sticht um Längen heraus: Warten, Warten, Warten… Die Wettbewerbsfrist war bis zum 31.03.2015 ausgeschrieben und dementsprechend rechne ich auch nicht wirklich schnell mit einer Nachricht. Wobei: würde ich überhaupt eine Nachricht bekommen? Das Team von Philips wird doch bestimmt nicht jeden, der sich für diesen Traumpreis beworben hat, kontaktieren denke ich. 

Am 10.02. flattert dann aber eine E-Mail in mein Postfach. Der Wortlaut hier sinngemäß: Herzlichen Glückwunsch, Du bist eine Runde weiter!!! Es werden mir drei Termine für ein ca. 15-minütiges Telefoninterview vorgeschlagen und schnell haben wir uns für den 12.02. zu diesem nächsten Schritt verabredet. Puuuuuh, so richtig kann ich es noch nicht wirklich glauben – ich bin tatsächlich noch im Rennen und meine Chancen sind noch vorhanden. Das Telefoninterview soll aus den noch verbliebenen Bewerbern (wieviele mögen es noch sein???) die vier glücklichen herauskristallisieren, die zum abschliessenden (und ultimativen) Astronauten-Training dürfen und aus denen dann derjenige, welche ausgesucht wird.

Anderthalb unruhige Tage und zwei noch unruhigere Nächte liegen nun also vor mir. Tausende Gedanken schwirren mir durch den Kopf: wieviele Bewerber sind es noch? Was möchte man von mir wissen? Was sage ich – und viel wichtiger: was besser nicht… 😉 . Endlich ist der Donnerstag da und endlich klingelt auch irgendwann mein Telefon. Was sich in den nun folgenden 15 – 20 Minuten entwickelt würde ich als lockeres Gespräch beschreiben, das in meinen Augen keinerlei Interview- oder gar „Verhör“-Charakter hat. Im Gegenteil: es macht richtig Spaß und nach dem Telefonat (in dessen Verlauf ich in Erfahrung bringe, dass insgesamt noch 11 Bewerber im Rennen sind) geht es mir richtig gut. Meine Gesprächspartnerin Barbara erklärt mir, dass Philips noch bis inkl. dem nächsten Dienstag (17.02.) die Telefoninterviews führen wird und mit einer Entscheidung, welche 4 Kandidaten in die Niederlande zum 2-tägigen Astronauten-Training fahren dürfen, „nicht vor nächstem Mittwoch“ zu rechnen sei (dann ebenfalls wieder telefonisch). Es wird noch schnell abgecheckt, ob ich zu dem geplanten Trainingstermin Zeit hätte – passt alles.

In den folgenden Tagen bin ich tatsächlich sehr ruhig, was mich selber sehr erstaunt. Ok, ich kann ohnehin nichts mehr tun, was die Entscheidung der Jury beeinflussen kann, also kann ich das Ergebnis auch „einfach“ abwarten. Erst am Dienstag, dem letzten Tag der Telefoninterviews kehrt das Kribbeln in den Bauch zurück, denn ich weiß ja dass die Entscheidung nun bald fallen wird. Einzig der Zeitpunkt, wann diese nun bekannt gegeben wird, ist noch offen. Somit wird die Nacht auf Mittwoch auch wieder etwas „kribbeliger“ und es geht mit einer gewissen Anspannung am Morgen zur Arbeit.

Gegen Mittag passiert es dann: meine Telefon klingelt. Das für sich ist jetzt nicht wirklich ein sehr aufregende und und nervositätssteigernde Sache. Schließlich tut es dies sehr oft am Tag, da es eines meiner wichtigsten Arbeitsmittel ist. Doch es ist wieder diese Hamburger Nummer. Schlagartig bin ich mit Adrenalin vollgepumpt und verfüge über einen Ruhepuls von ca. 200! Als sich am anderen Ende die „Barbara von Philips“ meldet, muss ich tief in mich hineinschmunzeln und denke nur „ach was…“. Gottlob dauert es nicht allzu lange ehe sie mir eröffnet: „Herzlichen Glückwunsch, Du bist dabei“!!!

Es dauert einige Zeit, bis ich die Sprache wieder finde. Da niemand bei mir im Büro ist, kann mich auch keiner kneifen. Also frage ich sicherheitshalber nochmal nach und auch die zweite Antwort bestätigt ihre erste Aussage. WOW!!! Ich bin dabei! Ich darf nach Holland! Ich darf zum Astronauten-Training (so richtig mit Schwerelosigkeit und so)! Und: ich bin im Finale!!! Außer mir sind da nur noch drei andere Kandidaten und einer von uns vieren darf tatsächlich in’s All fliegen.

Wie in Trance quatsche ich noch ein bisschen mit Barbara, wir besprechen die nächsten Schritte, nochmal den Termin für die beiden Tage in Holland und zum Ende bedanke ich mich vollkommen sprachlos für diese mega-Chance,  die ich nun bekommen habe: einer aus vier – die Chance ist nun auf einmal wirklich sehr real!

Die nächsten Stunden spielen sich ebenfalls wie in Trance ab: ungläubig und vollkommen fassungslos sitze ich Büro. Mein Körper glüht voller Adrenalin und ich muss erst einmal ein paar Minuten auf und ab gehen, ehe ich so langsam wieder einigermaßen klare Gedanken fassen kann. Als erstes rufe ich erstmal meine Frau an, die von alledem nicht die geringste Ahnung hat. Ok, sie wusste, dass ich mich beworben und auch ein Video erstellt habe (gezeigt habe ich es selbst ihr nicht) – vom Telefoninterview und erst recht dessen Verlauf weiß sie rein gar nichts. Entsprechend weit fällt sie dann auch aus allen Wolken, als ich ihr nun die kompletten Neuigkeiten en bloque eröffne.

Als nächstes werden dann Urlaub eingereicht, die noch zu erledigen „Regularien“ für die Reise nach Holland erledigt und ein Freudenschrei auf Facebook veröffentlicht.

Stay tuned…

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