Raceday

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Es ist soweit: der große Tag, für den ich solange gekämpft und für den sooooo viele Menschen unheimlich viel für mich getan haben, ist da: der Honolulu Marathon in der 40. Auflage.

Bekanntermaßen ist der Start ja bereits für 05:00 Uhr morgens angesetzt, das heißt d Wecker klingelte schon um 02:30 Uhr nach gefühlten zweieinhalb Stunden Schlaf. Effektiv mag es vielleicht eine halbe Stunde mehr gewesen sein… Unten in der Lobby ein von der Reiseleitung organisiertes „kleines Frühstück“ (braun gefärbtes, lauwarmes Wasser und undefinierbares Gebäck). Gut, dass ich noch eine Banane und einen „Power-Riegel“ habe… Danach kurzer Fußmarsch zum Zielbereich, von wo wir mir Bussen und tausenden von Japanern zum Startbereich chauffiert werden.

Die Zeit bis zum Start vertreiben wir uns im Grunde genommen, wie man es immer vor einem Wettkampf macht: jeder hat so seine persönlichen Rituale, mit denen er die letzten Vorbereitungen trifft. Wäre da nicht eine Besonderheit gewesen, mit der niemand gerechnet hatte. Ungefähr 20 Minuten vor Start wurden wir auf eine Durchsage über die Lautsprecher aufmerksam, die nicht nur beim TIGER BALM TEAM für Aufregung sorgte: Marc, Freund von Tigern Stefanie hat vor gut 30.000 Zeugen am frühen Sonntagmorgen seiner Tigerin einen Heiratsantrag gemacht. Und auch wenn diese doch sehr überrascht und überwältigt war, hat sie ihn angenommen. ALLES GUTE!

Der Start beim Honolulu Marathon beginnt mit eine gewaltigen Feuerwerk – ok, anderswo kann man das auch schlecht machen, da in der Regel wesentlich später und schon bei Tageslicht gestartet wird. Aber so geht man auf jeden Fall schon mal stark motiviert auf die 42,195 Kilometer. Der Anfang ist hart: zum einen muss man sich mit der frühen Uhrzeit und den ungewohnten klimatischen Verhältnissen anfreunden, zum anderen sind da tatsächlich Abertausende wuselige Japaner, von denen man den Eindruck hat, dass sich die langsamsten (ja, es gib tatsächlich welche, die die Strecke ab Meter 1 gehend „bewältigen“) unbedingt ganz vorne einreihen mussten. Also wirklich Slalomlauf auf den ersten Kilometern – lenkt aber auch von den Temperaturen von ca. 22 Grad zu Beginn ab.

Es geht Downtown Honolulu, durch ein kleines Gewerbegebiet mit hauptsächlich dort ansässigen Autohändlern, jeweils dekoriert mit sehr kitschigen, typisch amerikanischen Weihnachtsbeleuchtungen. Über eine der Haupteinkaufsstraßen, der Kalakaua Avenue geht es nach Waikiki, wo wir zu ersten Mal auf die Begleiter des TIGER BALM TEAMS nebst Kamera-Team treffen. Anschließend steht die erste wirkliche Herausforderung (neben Japaner-umkurven) auf dem Programm: Anstieg auf Diamond Head. Für geübte Alpin-Läufer mag das nicht so schwierig sein für mich Flachlandtiroler war das schon eine ordentliche Bergwertung. Von der Uhrzeit her hätte eigentlich die Sonne aufgehen sollen und wenn man so im Anstieg auf Diamond Head ist hat man dann einen fantastischen Blick auf den Pazifik (hatten wir in den letzten Tagen bei eine Trainingslauf schon erleben dürfen).

Doch heute war es leider anders. Während wir den Anstieg in Angriff nahmen, kamen aus dem Osten fieseste und dunkelste Wolken aus den Bereich, wo eigentlich die Sonne hätte erscheinen sollen. Da ich mit einer (selbsttönenden) Sonnenbrille gelaufen bin, hatte ich Phasen, in denen ich gar nichts mehr gesehen habe und schon fast Angst hatte, es wäre schon der 21. Dezember.

Im weiteren Streckenverlauf ging es dann in Richtung Koko Head durch kleinere Gewerbe- und Wohngebiete, wobei die nun doch aufgehende Sonne mehr und mehr die optischen Reize der Insel offenbarte. Ein Teilstück von ca. 6 Kilometern liefen wir dann auf einer Schnellstrasse entlang, wobei am Ende dieser Strecke ein Wendepunkt lag und wir die gleiche Strecke auch wieder zurück liefen. Hört sich langweilig an, war es aber nicht. Während ich selber bei Kilometer 19 war, schoss die Führungsgruppe an uns vorbei, die selber gerade Kilometer 34 passierte. Und von nun anhatte der „Gegenverkehr“ etwas unterhaltsames: zuerst waren es weitere Spitzen- und Eliteläufer, dann kamen viele ambitionierte Läufern, bei denen mir auch die Mit-Tiger Marcel und Lars entgegen kamen, ehe ich selber dann den Wendepunkt passierte und mich am illustren Bild der vielen, vielen Japaner erfreuen durfte.

Das soll jetzt ganz gewiss nicht despektierlich klingen, aber wenn ich einen Marathon als „Wanderausflug“ verstehe, dann fehlt mir als „Läufer“ schlicht und ergreifend auch ein wenig das Verständnis. Sicher, es kann und muss nicht jeder in 2:30 die Strecke absolvieren, aber 8 oder mehr Stunden, ohne auch nur einen Schritt gelaufen zu sein – am besten noch (und wir haben das tatsächlich mehrfach gesehen) Kinder im Schlepptau – kann nicht im Sinne des Erfinders sein.

Zum Höhepunkt des Laufes ging es ab Kilometer 38 noch mal satt die Steigung zum Diamond Head Richtung Ziel hoch. Tatsächlich noch mal eine harte Prüfung, die richtig weh Tat. Zum Glück ging es dann die letzten 2 Kilometer nur noch bergab, bzw. flach, bis wir in’s Ziel kamen.

Mit meinem persönlichen Rennen bin ich zufrieden. Da ich das Klima nicht einschätzen konnte, habe ich es von Beginn an bewusst etwas langsamer angehen lassen, da ich diesen besonderen Lauf nicht durch „Zeiten-Quälerei“ abwerten, sondern eher genießen wollte. So habe ich desöfteren Fotostops eingelegt, habe an den Getränkestationen viel getrunken und ansonsten versucht, soviel wie möglich von der Stimmung aufzusaugen.

Honolulu war mit Sicherheit mein härtester Marathon, dafür aber auch mein geilster: wer hat schon Gelegenheit, an einem der schönsten Flecken der Welt einen Marathon laufen zu dürfen?

Darum an dieser Stelle auch nochmal meinen herzlichsten Dank an alle, die das möglich gemacht haben: DAS TIGER BALM TEAM, TIGER BALM selber und natürlich alle Facebook-Voter und Unterstützer, ohne die das niemals Wirklichkeit geworden wäre!

MAHALO!!!

5 Kommentare bisher. Was sagst du dazu?

  1. Jens sagt:

    Sehr fein gemacht mein Bester!! Genau SO sollte (Leh)mann auch diesen Marathon sehen, als tolle Erlebnisreise!! Bin schon gespannt auf die Fotos und Filmchen!!

    10. Dezember 2012
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  2. Micki sagt:

    Ich schließe mich meinem Vor-Kommentator bedingungslos an und möchte ein dickes DANKE an Euch rüberschicken für die bildlichen und bildhaften Eindrücke hier im Blog. Wunderschöne Restzeit, viel Erholung und viel Spaß und traumhafte Rückreise!

    10. Dezember 2012
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  3. Micki sagt:

    … weiss nicht warum, bin aber völlig hin und weg, ist irgendwie anders – sonst weiss ich ja auch, dass Du „hier und da rumrennst“… Bei dem Gedanken wo und wie Du da gelaufen bist, wird mir einfach anders, habe ich einen Gefühls-Tsunami…

    10. Dezember 2012
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  4. Julia sagt:

    Ich lese wie immer völlig fasziniert deinen Bericht. Hab schon gestern immer wieder geguckt, ob es schon was neues gibt. Freue mich total für euch, dass ihr 2 dort unten so eine tolle Zeit habt. Allerdings ist mir eins aufgefallen: Du magst keine Japaner, oder?! ;D

    Danke, dass ihr uns an eurem Abenteuer so teilhaben lasst!!!
    Grüß Kerstin ganz lieb!!!

    10. Dezember 2012
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  5. Veronika sagt:

    Toller Bericht und nun bestätigst Du auch noch meine Frage warum diese Läufer eigentlich Gehen und nicht Laufen, das ich mal auf einem Video auf Youtube gesehen habe. Ich finde es ätzend, wenn man dann ewig lange zick-zack Laufen muss um diese Geher zu überholen. Aber Du hast es grandios gemeistert und hoffentlich viele Aufnahmen gemacht. Freu mich schon auf die Bilder und Filme. Meinen Glückwunsch zu Deinem tollsten Lauf Deines Lebens. Vielleicht kann ich mir das ja auch mal leisten. Wünsche Dir noch ein paar wunderschöne Tage auf Hawaii. Gute Erholung.

    Gruß Veronika

    10. Dezember 2012
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