Kaffeegenuss

Aus meiner Kinderzeit weiß ich noch, dass wenn man einen guten Kaffee haben wollte, Frau Sommer mit der Krönung von Jacobs vorbei kommen musste. Heute ist das ein wenig schwieriger geworden. Die „gute, alte“ Kaffeemaschine, die den bereits gemahlenen Kaffee via Filtertüte in die integrierte Thermoskanne laufen lies gehört in immer mehr Haushalten nach und nach der Vergangenheit an. Der Trend geht eindeutig zu Kaffeevollautomaten, die die Bohnen zunächst mahlen, und dann frisch aufbrühen. Und dies halt nicht nur als „profanen“ Kaffee, sondern auf Wunsch oftmals (liegt an der Ausstattung des Automaten) auch direkt als Kaffeespezialität. Espresso, Cappuccino, Latte Macchiato usw. erfreuen sich auch zu Hause immer größerer Beliebtheit. So auch bei mir, weswegen ich mir vor ein paar Jahren einen gebrauchten Kaffeevollautomaten zugelegt habe. Nach drei Jahren treuen Dienstes (wie viele er davor schon auf dem Buckel hatte, weiß ich nicht) segnte der Automat nun aber vor einigen Wochen das zeitliche und musste ersetzt werden. Wer die Vorzüge (nicht zuletzt die geschmacklichen) eines Vollautomaten zu schätzen gelernt hat, für den kommt eine Filterkaffeemaschine normalerweise nicht mehr in Frage. Ich habe mir die Saeco HD8917/01 Incanto zugelegt, die ich jetzt im einzelnen ein wenig genauer vorstellen möchte.

Schon beim Aufstellen des neuen Automaten fällt auf, dass seine Optik sehr schick und edel ist obendrein auch noch sehr schlank ist. Was meine neunjährige Tochter auch gleich zu dem Ausruf „Oh, die Kaffeemaschine ist aber hübsch“ animierte. Die Inbetriebnahme ging ohne große Schwierigkeiten und Komplikationen vonstatten: entgegen meinen sonstigen Gewohnheiten bin ich hierbei auch streng nach Anleitung vorgegangen. Allerdings habe ich hier auch recht schnell feststellen müssen, warum ich keine Bedienungsanleitungen mag: gerade das vorliegende Exemplar erscheint zur Erstinbetriebnahme recht schlecht strukturiert zu sein, da während des Prozederes ständig Querverweise auftauchen, weswegen ich oft blättern muss. Vielleicht entspricht die Gliederung der Themen mehr dem täglichen Gebrauch, wenn man kurz und knapp nochmal schnell nachlesen möchte, die einzelne Funktionen zu handhaben sind.

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Der Automat ist sowohl mit Wasser als auch mit Kaffeebohnen von oben zu befüllen. Der Wassertank, denn man mittels Henkel aus dem Automaten heben kann, fasst 1,8 Liter. Das erscheint bei dem recht dünnen Kunststoffhenkel schon fast ein bisschen viel zu sein, denn der Henkel biegt sich beim Hochheben des vollen Tanks doch schon beachtlich durch. Ich habe tatsächlich Bedenken, dass mir dieser Henkel eines Tages in Folge eines „Ermüdungsbruches“ einfach durchreisst. Dann wird es schwierig, die Wasserzufuhr zu bewerkstelligen. Meiner Meinung wäre ein leichter Metallhenkel besser gewesen. In das Fach für die Kaffeebohnen passen nach Herstellerangaben ca. 250 Gramm. Auch hier gibt es ein kleines Detail, das mir in der Praxis nicht so ganz gut gefällt: wenn der gesamte Behälter mal mit Bohnen gefüllt war, dann rutschen die Bohnen der vorderen Hälfte des Faches nicht oder nur noch durch „Nachhilfe“ weiter nach unten, bzw. in den hinteren Bereich. Gerade dort müssen sie allerdings hin, weil sich dort das Mahlwerk befindet. Am Mahlwerk lässt sich der Mahlgrad individuell einstellen – allerdings sollte man hierbei zwingend zu tun, wenn das Mahlwerk auch gerade läuft, weil ansonsten das Mahlwerk schnell kaputt gehen kann. Noch eine Anmerkung dazu: die „Auswirkungen“ einer Veränderung des Mahlgrades lassen sich erst zwei, drei Tassen später feststellen. Eine Besonderheit hat der Automat dann aber auch noch aufzuweisen: es gibt auch ein Fach für bereits gemahlenen Kaffee (zu Not eben auch die „Krönung“ von Frau Sommer), der dann ebenfalls frisch aufgebrüht werden kann. In der Praxis habe ich das noch nicht ausprobiert.

Kaffee mit Crema
Kaffee mit Crema

Vorne am Automaten befinden das Display und 6 Bedienknöpfe, die entweder zur Auswahl der Getränkesorte oder aber für Einstellungsmöglichkeiten genutzt werden können. Auch das Menü wird über diese Elemente angesteuert und bedient. In der Bedienung des Automaten liegen große Vorzüge: auch wenn die Menüsprache englisch ist, so findet man sich gut und schnell zurecht, da dies größtenteils intuitiv geschieht. Ein großer Pluspunkt liegt darin, dass ich die Füllhöhe des zu zapfenden Getränkes entweder fest abspeichern, oder auch situativ anpassen kann. Ebenso die Stärke des zu brühenden Getränkes kann von Fall zu Fall mit kurzen Tastendrücken neu gewählt werden. Der Automat verfügt neben einer Auslassdüse für Heißwasser über einen separaten Milchbehälter inkl. Düse um Kaffeespezialitäten à la Cappuccino, Latte Macchiato oder auch einfach nur leckeren Milchschaum für eine heiße Schokolade zuzubereiten. Das ganze funktioniert wirklich denkbar einfach, indem man die nicht benötigte Düse aus dem Automaten abzieht und die gewünschte draufsteckt. Für den Fall, dass man weder die eine noch die andere Düse an der Front haben möchte, gibt es auch noch eine Abdeckblende, wenn nicht eingesteckt ist.

Cappuccino
Cappuccino

Großartig an dem Automaten sind neben den verschiedenen Einstellungen zur Kaffeestärke, des Mahlgrades und auch der Füllhöhe auch die Möglichkeit die Zapftemperatur des Getränkes einstellen zu können. Das war beispielsweise das große Manko meines bisherigen Automaten: es kam immer nur lauwarmer Kaffee heraus. Ist zwar zum Soforttrinken vielleicht ganz gut, aber ich kenne niemanden, der einen Kaffee „auf Ex“ hinunterstürzt. Im Gegenteil: macht den echten Kaffeegenuß (und hier schließe alle „Spielarten“ mit ein) nicht gerade der Genuss, also das langsamere und gemütliche Trinken aus? Mal ganz abgesehen davon: die optimale Brühtemperatur eines Kaffees liegt bei 90-96 Grad Celsius. Ergo MUSS Kaffee heiß sein! 😉 Die Ergebnisse aller Arten lassen sich mehr als sehen: sowohl der Espresso als auch der „normale“ Kaffee (wir über die Produkttaste „Espresso Lungo“ angewählt) haben einen sehr feinen und runden Geschmack und weisen eine sehr gute Crema auf. Der Milchschaum, den der Automat über den Milchbehälter produziert kann sich absolut sehen lassen und hält auch gehobeneren Qualitätsansprüchen und –proben (z.B. den Zucker auf den Schaum legen und abwarten, wie lange es dauert, bis er durchsackt) mehr als Stand. Kleines Manko ist jedoch, dass sowohl der Auslass für den Kaffee als auch der des Milchschaumes insgesamt zu hoch sind und somit zu kleineren Spritzereien neigen. Zwar lässt sich der Auslass für den Kaffee verstellen, was auch für normale Tassen, Becher oder auch Latte Macchiato Gläser vollkommen ausreichend ist, wenn jedoch eine Espressotasse darunter steht, ist der Auslass eindeutig zu hoch. Die Milchaufschäumdüse lässt sich leider gar nicht verstellen, somit sind ein paar Spritzer leider vorprogrammiert.

Milchschaum Cappuccino
Milchschaum Cappuccino

Anmerkung zum Geschmack und der Konsistenz der Produkte: mein bester Freund ist Barista und arbeitet mit professionellen Siebträgermaschinen und zieht die Milch dann auch direkt per Hand auf. Diese beiden unterschiedlichen Produkte miteinander zu vergleichen wird immer hinken. Dies liegt jedoch weniger an dem Kaffee (hier spielt selbstverständlich die verwendete Bohne eine sehr große Rolle) sondern vielmehr an der Art des Milchaufschäumens: ein Vollautomat wird niemals solch einen perfekten Milchschaum hinzaubern können, wie ein Barista, der dies per Hand tut und auf verschiedene Einflüsse (Temperatur der Milch, Fettgehalt der Milch und Zeit des Ausziehens) jedesmal individuell reagieren kann. Trotzdem sind die Resultate, die die Incanto produziert absolut überzeugend und geschmacklich ein Hochgenuss.

Latte Macchiato
Latte Macchiato

Ein Kaffeevollautomat muss natürlich auch gereinigt und gepflegt werden. Auch hier wartet die Incanto mit einer tollen Sache auf: die Maschine braucht nicht entkalkt zu werden (der Hersteller spricht von mindestens 5.000 Tassen), dafür wird ein Filtersystem verwendet, dass von Zeit zu Zeit ausgetauscht werden muss. Die Brüheinheit ist kinderleicht aus der Maschine heraus zu nehmen und ebenfalls leicht zu reinigen. Und ja, auch hier benötigt man von Zeit zu Zeit ein bisschen Fett und auch ein Lösemittel für Öl- und Fettrückstände vom Kaffee, aber das hält sich meiner Meinung nach von den „Folgekosten“ durchaus noch im sehr überschaubaren Rahmen. Schließlich „dankt“ es der Automat ja einem mit stets sehr leckeren Kaffeespezialitäten und wenn ich sehe, welchen Aufwand mein Freund der Barista nach jedem Gebrauchstag seiner Siebträgermaschine zur Säuberung betreibt, da möchte ich ehrlich gesagt nicht tauschen. Auch der Milchbehälter lässt sich im Grunde genommen gut und einfach reinigen: nach jedem Zapfvorgang eines Milchproduktes werde ich über das Display nach dem Reinigungswunsch gefragt, den ich dann innerhalb von 10 Sekunden bestätigen muss. Wenn ich das tue, habe ich ausreichend Zeit, mir ein kleines Gefäß um das Wasser des Spülvorganges zu holen und die Spülung zu starten. Leider habe ich jedoch noch keine Möglichkeit gefunden, diesen Spülvorgang außerhalb eines Milchaufschäumens auch separat aufrufen zu können. Der Milchbehälter selber lässt sich auch gut im Kühlschrank aufbewahren und wenn er komplett gereinigt werden soll, ist er mit ein paar Handgriffen schnell auseinander und auch wieder zusammen gesetzt. Genial ist die Möglichkeit, über eine kleine Schiebeöffnung Milch in den Behälter nachkippen zu können, ohne ihn aus dem Automaten entfernen zu müssen.

Milchschaum Latte Macchiato
Milchschaum Latte Macchiato

Weitere Pluspunkte, die ich an dem Automaten festgestellt habe sind, die sehr schnelle Einschalt- und Aufwärmzeit, das sehr leise Mahlwerk und die Möglichkeit, jeweils auch zwei Espressi oder „normale“ Kaffee ziehen zu können.

 

Natürlich gibt es immer auch ein paar Wünsche, die sich nicht an einzelnen Geräten nicht wieder finden. Zum Beispiel wäre eine Wasserfüllstandsanzeige nett gewesen und eine Menüführung in Deutsch wäre ein kleines bisschen komfortabler gewesen. Aber wird es das nicht immer geben, dass man im Grunde genommen die „eierlegende Wollmilchsau“ sucht? Unterm Strich überzeugen mich die Qualität des Vollautomaten und ganz besonders der von ihm produzierten Kaffeespezialitäten aber absolut und stehen auch in einem ausgezeichneten Preis-Leistungs-Verhältnis.

 

Deswegen kann ich den Kaffeevollautomaten Saeco HD8917/01 Incanto mit bestem Gewissen weiter empfehlen!

 

 

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