Hamburg, meine Perle

Eigentlich ist diese Hymne (s. Titel) auf die Stadt Hamburg ja fest zum Hamburger SV gehörig, wird sie doch durch Lotto King Karl vor jedem Heimspiel in der Imtech-Arena (oder wie das Ding momentan gerade heißt) zum besten gegeben. Und eigentlich sollte ich als Anhänger von Hannover 96 (also auch einem HSV) solch eine „fremdes Kulturgut“ gar nicht gut finden – besonders im Moment, wo doch beide HSV’s (ist das der korrekte Plural???) ärgste Kontrahenten um den Verbleib in der 1. Fußball-Bundesliga sind. Doch hier geht es ja (zum Glück mal) gar nicht um Fußball, sondern um das Laufen im Allgemeinen und jetzt um den Marathon im speziellen. Und der war nun einmal am vergangenen Sonntag in Hamburg. Und der ist meinem Empfinden nach der schönste und stimmungsvollste, den ich in Deutschland kenne. Und genau das hat er mal wieder trotz (oder gerade wegen) der nicht besten (zumindest für die Zuschauer) Wetterbedingungen unter Beweis gestellt. Mit nicht allzu großer Erwartungshaltung bin ich am späten Samstagabend angereist, war doch meine Vorbereitung alles andere als üppig für einen Marathon. Außer dem 6-Stunden-Lauf Mitte März in Münster war nicht ein Lauf mit mehr als 25 Kilometern dabei. Vor dem Start gab es noch einen gemeinsamen Fototermin mit einigen anderen Läufern, die so wie ich einen Startplatz vom Krombacher Alkoholfrei und Laufen.de gewonnen hatten. Inklusive war auch der Zugang in die VIP-Lounge, was ich besonders beim obligatorischen Toilettengang vor dem Start sehr zu schätzen gewusst habe. HASPA-Marathon 2015

Mit dem Antraben beim Überqueren der Startlinie kamen die ersten Selbstzweifel, ob ich es mit meinem recht dürftigen Trainingszustand überhaupt wieder auf dem vorgesehenen Weg (und die gesamte Strecke) an diesen Ort zurück schaffen werden, wenn aus der Start- dann eine Ziellinie geworden ist. Und diese Zweifel begleiteten mich ca. 8Km lang, bis ich einmal kurz in die Sträucher an der Elbchaussee schlagen musste.

Anschließend versuchte ich, bewusst auf meine Muskeln zu achten und weiter schön sachte mein recht moderates Tempo (ich wollte versuchen, mit einem Schnitt von 6 Minuten pro Kilometer in’s Ziel zu kommen) weiter zu laufen. Gepusht von den Zuschauern an den Landungsbrücken wurde ich allerdings schneller, ohne dies wirklich zu wollen. Aber die Kilometerzeiten meiner TomTom-Laufuhr pendelten sich zwischen 5:40 und 5:55 ein. Momentan fühlten sich die Beine noch gut an, ich war ja aber auch noch nicht mal ein Drittel der Strecke gelaufen – und eine alte Weisheit besagt, dass der Marathon erst ab Kilometer 30 richtig beginnt. An der Binnenalster hatte ich mir dann eine neue Strategie zurecht gelegt: statt „auf Deubel komm’ raus“ zu versuchen, durchzulaufen wollte ich es mit meiner Taktik des 6-Stunden-Laufes versuchen: nach einer Runde (2,5 Km) kurze Verpflegungspause machen, im Gehen Getränk und Nahrung aufnehmen und weiterlaufen. Gottlob waren die Verpflegungsstellen in Hamburg in etwa mit jeweils sehr ähnlichen Distanzen an der Strecke verteilt. Und so lief ich bei Km 17,5 an die Tische nahm in Ruhe Getränke und Nahrung zu mir und lief dann weiter. Dieses Prozedere wiederholte sich nun von Verpflegungsstation zu Verpflegungsstation.

So kam es, dass der Marathon für mich eigentlich bei Km 20 begann – als ich feststellte, dass mir diese „Renntechnik“ recht gut zu liegen schien. Ich lief vollkommen entspannt und die ganze Zeit ohne große Probleme. Die Kilometerzwischenzeiten pendelten sich im Bereich zwischen 5:30 – 5:50 ein. Plötzlich waren alle Gedanken, ob ich durchkomme verflogen und ich genoss jeden Meter. Die Zuschauer waren wie immer klasse und ich hatte einen Heidenspaß dabei, sie anzulachen, den Kindern „high 5“ zu geben während ich kaum noch überholt wurde. Im Gegenteil: eigentlich war ich es, der nur noch überholen war. Meiner Frau Kerstin habe ich später Abends erzählt, dass ich ab Km 20 nur noch Spaß gehabt hatte. Diese Aussage rief heftiges Kopfschütteln bei ihr hervor, was durch den Satz „Ja, neee – is’ klar“ noch unterstrichen wurde…

Nach dem anfänglichen Nieselregen pünktlich zum Start blieb es auf den meisten Streckenabschnitten trocken, ehe es ab Km 33 ordentlich anfing zu pladdern. Und dies dann nicht nur heftig, sondern auch lange. Das tat aber weder meiner Stimmung, noch der des Publikums einen Abbruch. Ich war ohnehin durchgeschwitzt, da kommt so eine Dusche ganz gelegen, die Zuschauer wickelten sich und/ oder ihr Equipment am Straßenrand kurzerhand in Folie oder unter Schirmen ein und weiter ging die Party. Klar, so ab Km 38 wurde es dann den Beinen irgendwann doch ein bisschen dumm und sie teilten mir mit, dass es doch nun eigentlich auch reichen würde. Aber getreu dem Motto „Umkehren wäre jetzt auch doof“ konnte ich sie doch überreden, noch ein bisschen weiter zu machen. Und wie sie das taten: jetzt kamen auch noch Kilometerzeit von unter 5:30 zustande! Der absolute Wahnsinn und immer noch gute Laune und ein gutes Gefühl! ZielUnterm Strich habe ich dann das geschafft, was mir noch nicht wirklich sehr oft gelungen ist: ein negativer Split, also die zweite Hälfte schneller zu laufen, als die erste! Und die Gesamtzeit war sogar 10 – 15 Minuten schneller als die, die ich mir im Vorfeld zugetraut hatte. Wer weiß, vielleicht ist diese „Taktik“ ausbaufähig und kann auch dann helfen, wenn der Läufer (also ich) besser trainiert bzw. vorbereitet ist.

So bleibt mir an dieser Stelle vorerst nur, mich zu Bedanken: beim Team vom HASPA-Marathon, die wieder mal ein fantastisches Laufevent organisiert und mich im Zusammenspiel mit dem einzigartigen Hamburger Publikum noch mehr davon überzeugt haben, dass dies Deutschlands schönster Stadtmarathon ist. Und natürlich beim Team vom Krombacher Alkoholfrei, dass ich in Ihrem Namen und Team an den Start gehen und (auch nach dem Lauf) die VIP-Lounge nutzen durfte.

Zu guter letzt bleibt dann nun noch die Hoffnung, dass die beiden HSV’s es noch irgendwie schaffe, in der Fußball-Bundesliga zu bleiben. Sonst bleibt am Ende vielleicht nur noch das Lied „Hamburg, meine (Marathon-)Perle“ – denn das ist es auf jeden Fall!!!

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