Berlin-Marathon

Die Marathon-Trilogie 2012 ist nun also gestartet!

Am vergangenen Sonntag stand mit dem 39. BMW-Berlin-Marathon ein würdiger Auftakt meiner persönlichen Laufserie auf dem Programm. Immerhin ist es mit gut 40.000 Teilnehmern die größte Laufveranstaltung in Deutschland und gehört zu den 5 Marathon-Majors, also zu den wichtigsten Marathons der Welt. Ich muß gestehen, als ich 2007 das erste Mal hier an den Start ging, war es mir alles im Grunde genommen zu groß und auch die Stimmung fand ich damals nicht so wirklich prickelnd – da lag Hamburg in meiner subjektiven Beurteilung weiter vorn.

Als ich an den Start ging (ich war gegen halb 9 im Startblock) waren die üblichen Zweifel natürlich wieder da: habe ich genug trainiert? Warum tun mir meine Beine eigentlich seit Tagen so weh? Werde ich durchkommen oder erlebe ich wieder einen Einbruch wie in Hamburg im April? Nervosität allenthalben, die obligatorischen Dixi-Besuche waren schon erledigt und trotzdem fühlt es sich im Bauch an, als wenn… Die besseren (schnelleren) Läufer starten direkt um 09:00 Uhr, mein Startblock ist in der „2. Welle“ ca. 10 Minuten später dran. Damit möchte man das Feld ein wenig entzerren und vermeiden, dass es gerade auf den ersten Kilometern ein „Hauen und Stechen“ gibt. Da jeder mit einem Zeitmesschip ausgestattet ist, hat sowieso jeder seine persönliche Zeit, die unterwegs (auch zu Kontrollzwecken) alle 5 Kilometer mittels Matten genommen wird. Nach den obligatorischen „Chariots of fire“ von Vangelis und „Sirius“ von Alan Parsons Projekt geht`s dann endlich auf die Strecke in Richtung „Gold-Else“ (Siegessäule). Die Bedingungen sind optimal: knapp unter 10 Grad, Sonnenschein – da lässt es sich gut laufen. Die ersten Kilometer braucht das Feld ein bisschen, um sich zu sortieren. Da muß man schon ganz ordentlich aufpassen, damit man niemandem in die Hacken tritt. Aber noch nerviger sind die (ähnlich wie auf der Autobahn) stets und ständig von einer „Lücke“ zur anderen springen und dabei auch den Körperkontakt nicht scheuen…

Witzigerweise sind auf den ersten Metern die „Beschwerden“, die man noch im Startblock hatte, verflogen: die Beine sind in Ordnung, der Magen ruhig und man kann sich darauf konzentrieren, sein Tempo zu finden, um die 42,195 Km zu bewältigen. Das geht in der Regel bis Km 20 so. Leider war es gestern ein bisschen anders: bei Km 8 bekam ich Hunger. HUNGER???? Ja, zumindest fühlte es sich in meinem Magen so an. Kurz überlegt: ich habe es mir in den letzten Jahren am Abend vorm Marathon angewöhnt, zum Finale das „Carboloadings“ eine große Portion Nudeln und auch noch eine Pizza zu gönnen. Da gehe ich dann keine Experimente ein, was Zutaten, Beilagen oder dergleichen betrifft – der Magen könnte es einem übel nehmen. Morgens um 6 hatte ich in meinem Super-Hotel 3 (kleine) Brötchen mit Nutella und eine Banane. Und nun hatte ich also Hunger… – Shit! Was nu??? In meinem Startnummergürtel hatte ich nur Energiegel dabei (davon wird man aber auch nicht satt) und unterwegs irgendwo Pizza oder Currywurst essen wäre mit Sicherheit kontraproduktiv gewesen. Verpflegungsstellen waren alle ca. 2,5 Km vorgesehen – allerdings nur bei jeder 2. auch mit Essen (Äpfel und Bananen). Äpfel während eines Laufes hatte ich noch nie gegessen – nur Bananen, aber ich mag die Dinger nun auch nicht so gerne, als dass ich mich davon satt essen könnte. Bei Km 9 sollte es das erste Mal entsprechendes Obst geben. Also nichts wie hin und ran (`ne halbe) und weiter – unterwegs dann mal wieder Zweifel, wie das (im 5-Km-Rhythmus je `ne halbe Banane) für noch 33 Kilometer reichen sollte. Ok, in Ergänzung mit meinem Gel-Vorrat im Wechsel an den anderen Stationen mit nur Getränken, könnte es gehen…

Bei Km 15/ 16 dann der nächste „Schock“: was ist mit meinen Beinen los? Die fühlen sich ja jetzt schon (und schlagartig) so an, als wenn ich schon bei Km 32 wäre. Dazu dann immer wieder das Hungergefühl – die Zweifel am Gelingen der Mission wurden größer. Ich versuchte allerdings, mich nicht zuviel damit zu beschäftigen und zu belasten, sondern meinen Laufrhythmus beizubehalten. Das schien ganz gut geklappt zu haben: so bei Km 26/27 war ich mir plötzlich sicher: Du kommst hier heute durch – OHNE EINBRUCH und Gehpausen! Und so ziemlich das erste Mal bei einem Wettkampf erlebte ich nun das, was man gemeinhin als „Runners High“ bezeichnet. Ich konnte (relativ) befreit laufen, konnte die Zuschauer und die Stadt genießen und einfach laufen.

Das ging bis Km 35 ganz gut. Dann machten sich meine Beine so bemerkbar, wie ich es zu DIESEM Zeitpunkt (und nicht schon 20 Kilometer vorher) erwartet hatte: die Muskeln und Knie schmerzten, der Schritt wurde schwerer. Aber hey, nur noch 7 Kilometer. Vor meinem geistigen Auge hatte ich meine Haus- und Hofstrecke – allerdings diesmal mit reichlich lautstarkem Publikum. So kam ich dann bis Km 39 und da wartete dann Besuch: der Hammermann war da und knallte unerbittlich zu: plötzlich sind die Beine schwer wie Blei und man hat das Gefühl, dass man gar nicht vorwärts kommt, bzw. nur noch in einem Tempo von ca. 1 Km/h. In Wirklichkeit bleibt das Tempo fast unverändert, nur die Schmerzen sind recht heftig… Komm`, jetzt nicht aufhören – dranbleiben und bis zur letzten Erfrischungsstation laufen. Dort noch ein letztes Mal etwas trinken (Wasser und Energydrink) und dann nur noch 2 ver…. Kilometer.

Die Veranstalter haben die Streckenführung clever gestaltet: jetzt, wo es JEDEM Läufer so richtig weh tut, geht es noch mal im Zick-Zack durch die Strassen Berlins, ehe man „Unter den Linden“ landet und geradewegs auf das Brandenburger Tor zusteuert. Wer als Erst-Berlin-Läufer nun denkt, dass dort das Ziel liegt fehlt jedoch: nach dem Gänsehaut-Erlebnis durch das Brandenburger Tor zu laufen bleibt die Erpeltapete nun noch dauerhaft für die letzten rund 500 Meter, ehe man an großen Tribünen vorbei in`s Ziel läuft.

Wow – seitdem ich 2008 das zweite Mal unter den 3:30 Stunden geblieben war, bin ich nicht mehr mit solchem Stolz in`s  Ziel eines Marathons gekommen. Ich werde keine Bestzeiten mehr laufen – immerhin war ich 30 Minuten langsamer als 2005. Aber ich war auch 20 Minuten schneller als im April in Hamburg und hatte richtig viel Spaß unterwegs.

Das scheint auch der Unterschied zu meinen letzten Auftritten hier in Berlin gewesen zu sein: entweder ich war auf der Hetze nach Bestzeiten und habe Kilometer um Kilometer gecheckt, oder ich war körperlich so am Ende, das ich quasi nur noch auf den Brustwarzen in`s Ziel gekrochen bin. So konnte ich Berlin, die tolle Strecke und die klasse Zuschauer (die sind wirklich alleine schon ein Erlebnis) genießen.

Ich komme wieder – aber erstmal stehen noch Teil 2 und 3 der Trilogie an – und Teil 2 findet bereits in knapp 2 Wochen in München statt inklusive riesigem Tiger-Treffen…

I frei mi!!!

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