Adidas Energy Boost – ein Test

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Ja, ich gebe es zu – ich lasse mich von Werbung beeinflussen.

Ja, ich gebe es zu – ich bin großer Adidas-Fan (wenn nicht sogar „-Fetischist“) wobei ich auch durchaus Kleidung und Schuhe anderer Hersteller beim Laufen trage.

Und ja, als ich die ersten Werbeberichte und -Trailer der neuen Adidas Boost-Reihe gesehen und gelesen habe, war ist „angefixt“. Aber ich bin auch ein recht skeptischer Mensch, der durchaus nicht alles, was in Werbung und anderen Medien so versprochen und angepriesen wird, glaubt. So auch, als von „Revolution der Dämpfung“ und eines komplett neuen Laufgefühls gesprochen und geschrieben wurde.

Und um ganz ehrlich zu sein: auch der Preis des Schuhs hat mich zuerst doch ziemlich abgeschreckt. Bei mir spielten bis dato Faktoren wie Farbe, Hersteller immer eine untergeordnete Rolle und ich habe mir bis hierhin NIE das aktuellste Modell einer Schuhlinie gekauft, sondern immer nur Auslaufmodelle aus der Vorjahreskollektion. Somit war bis dahin der Asics Gel Kinsei mit 130,-. Euro mein teuerster Schuh – und trotz Testen auf dem Laufband und späterer 4-Wochen-Rückgabe-Garantie ein absoluter Fehlkauf, mit dem ich nicht wirklich klarkomme (aber alleine des hohen Anschaffungspreises wegen) zumindest auf kürzeren Strecken weiter laufe.

Wie gesagt, sonst zahle ich in der Regel zwischen 80 und 100 Euro für meine Laufschuhe und aktuell umfasste meine „aktive Kollektion“ – also Schuhe, die ich im rollierenden System  von Trainingseinheit zu Trainingseinheit wechsele jeweils 3 Modelle von Asics, Puma und Adidas. Und vor diesem Hintergrund kann man natürlich auch trefflich diskutieren, ob es tatsächlich ein 10. Paar Laufschuhe sein muss. Da einige meiner anderen Paare nun aber bald am Ende Ihres Laufschuhlebens stehen und mich diese Kombination aus interessanten Werbeaussagen und meiner Affinität zum Hersteller nun doch sehr in ihren Bann gezogen habe, habe ich mich entschlossen, es einfach mal zu „wagen“ und diesen Schuh auszuprobieren (immerhin ja auch wieder mit der 30-Tage-Zufriedenheitsgarantie, also minimalem Risiko).

Adidas bietet 3 verschiedene Variante der neuen Boost-Technilogie an: den Sonic Boost, den Energy Boost und den Adistar Boost. Der Sonic Boost hat nur eine puristische Ausführung der neuen Boost-Dämpfung, die mir beim Probetragen überhaupt nicht zugesagt hat. Einen grundlegenden Unterschied zwischen Energy und Adistar Boost konnte mir auch keiner von drei verschiedenen Verkäufern erklären, so dass ich mich dann für den Energy Boost entschieden habe.

Kaum zu Hause angekommen hat mich natürlich die Neugierde gepackt und der Schuh musste unbedingt ausprobiert werden. Schon in der Hand fühlt er sich sehr leicht an und ein Nachmessen auf der Waage ergab in der Größe von UK12 (47 1/3) ein Gewicht von 316 Gramm. Zum Vergleich: mein bis dato leichtester Schuh, den ich für schnellere und kürzere Läufe, sowie für Wettkämpfe bis zum Halbmarathon nehme, der Puma SLX Setsuna LST liegt mit 334 Gramm auf der Waage.

Der nächste Unterschied zeigt sich gleich nach dem Anziehen: das Techfit-Gewebe aus dem das gesamte Obermaterial des Schuhs besteht, liegt anders als das sonst üblich Mash-Gewebe, sehr eng am Fuß, was jedoch alles andere als unangenehm oder eng ist – ganz im Gegenteil, es fühlt sich sehr leicht an und der Fuß wird quasi „umschmeichelt“…

Nun aber ab auf die Piste: die ersten Schritte sind sehr ungewohnt und auch nicht unbedingt angenehm. Das „Federn“, dass man kennt, wenn man einen niegelnagelneuen Laufschuh anzieht, der noch die komplette Dämpfung besitzt, wird sehr verstärkt gespürt. Es ist noch nicht so, als wenn man auf Sprungfedern unterwegs ist, aber es geht in die Richtung… Allerdings stellt sich der Körper recht schnell auf dieses neue Laufverhalten sehr schnell ein und nach 1 bis 1 1/2 Kilometer ist das auch vollkommen in Ordnung. Was jedoch bleibt ist die relativ starke Rückfederung des Schrittes vom Fuß zurück. Auch das ist nicht unangenehm, wog aber gewöhnungsbedürftig.

Für gewöhnlich bin ich ein Läufer, der die Kraft sehr stark aus dem Oberschenkeln bezieht. Mit diesem Schuh habe ich allerdings sehr schnell gemerkt, dass das Bein hier ganz anders belastet wird und die meiste Energie eher aus der Wade kommt und diese nun ganz anders beansprucht wird. Das hat für mich persönlich zum einen den Effekt, dass ich mein Bein nun je nach Schuh anders belasten und trainieren kann (was nicht wirklich schlecht ist).

Zum anderen habe ich aber schon sehr schnell bemerkt, dass ich sehr viel weniger Kraftaufwand betreiben muss, um voran zu kommen. Dies hat sich dann auch sehr schnell in den Kilometerzeiten, die ich per Runtastic auf`s Ohr bekam widergespiegelt: der erste Kilometer war sehr langsam, weil der Schuh sich so ganz anders verhielt, als ich es gewohnt war. Auf dem zweiten Kilometer habe ich über eine halbe Minute an einer geschlossenen Bahnschranke gestanden. Aber schon ab dem dritten Kilometer hatte ich durchweg Zeiten unter 5 Minuten pro KM.Das ist nun auch für mich kein absolutes Sprinttempo, hat mich allerdings während des Laufens insofern arg verblüfft, als ich selber immer das Gefühl hatte, im Bereich 5:20/ Km unterwegs zu sein. Und im Grunde wollte ich auch gar nicht schneller als 5:20/Km laufen.

DAs ganze hat sich dann auf weiteren Passagen, auf denen ich doch relativ starken Gegenwind (mit em ich nicht wirklich gut klarkomme) hatte, ebenfalls weiter diese KM-Zeiten lief. Natürlich, die Waden machten sich bemerkbar, weil sie komplett anders belastet und gefordert wurden, als sie es gewohnt sind/ waren. Dafür waren meine Oberschenkel wesentlich weniger beansprucht. Auch meine Pulswerte waren während des gesamten Laufes im Schnitt bis zu 10 Schläge niedriger.

Als ich meine Testrunde nach gut 10Km beendet habe, war ich absolut überzeugt: dieser Schuh ist der beste, den ich jemals hatte. Natürlich läuft er nicht von allein (wäre ja auch doof und langweilig), doch er unterstützt den Läufer sehr gut. Natürlich muss sich meine Muskulatur an diesen neuen Schuh gewöhnen und natürlich muss schauen, wie ich mich auf längeren Läufen mit dem Schuh fühle. Aber ich bin überzeugt davon, dass ich mit diesem Schuh um einiges effizienter laufen können werde. Auf jeden Fall wird dieser Schuh meinen Puma als Wettkampfschuh auf kürzeren Distanzen (10Km und Halbmarathon) ablösen – Debüt höchstwahrscheinlich schon am kommenden Samstag in Bad Pyrmont….

Fazit: ich empfinde den Schuh als wirklich genial. Klar, mit 150,– Euro ist er nicht gerade günstig, aber nach meiner Einschätzung ist er jeden Cent wert. Der Körper und der Laufstil müssen sich ein bisschen an den Schuh gewöhnen, aber ich bin davon überzeugt, dass man mit diesem Schuh sehr viel Freude haben wird. Und zum Abschluss sei ergänzt: ich werde jetzt nicht nur diesem Schuh verfallen, sondern in Zukunft auch weiter andere Modelle und Hersteller laufen – aber dieser Schuh ist best ever!

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